Über uns

Angela Zimmermann, Gründerin und Visionärin von HOPE & WONDER

Im folgenden Interview berichtet sie von sich und ihrer Motivation, den Aufgaben des Vereins und der Arbeit in Tansania.

Was sind wichtige Meilensteine auf dem Weg zum Projekt?
Das ist eine schwere Frage und es gab in meinem Leben sicher einige Ereignisse, die mich geprägt und damit auch beeinflusst haben das Projekt zu starten.
Ein wichtiger Punkt ist sicher meine Kindheit und wie ich aufgewachsen bin. Ich wuchs als älteste von 6 Kindern in einer Grossfamilie auf und habe zwei Pflegegeschwister, die beide behindert sind. Sie haben mich sehr geprägt und mir viel gelernt.
Ein weiterer Grund ist meine erste große Reise 2011 auf die Philippinen zu meiner Großtante. Sie war Ordensschwester und in der Mission tätig. Wir waren auf einer der Inseln in den Bergen bei den dortigen Bewohnern („mangyanen“). Sie leben ohne Strom und fließend Wasser und ich konnte einen Einblick in das sehr einfache Leben bekommen – teilweise besitzen die Familien nur eine Bambushütte und in der Hütte hat es ein Topf, die Eltern haben je ein Messer und die Frau einen großen Korb, evtl. hat jedes Familienmitglied noch ein Kleidungsstück, das war alles, was sie besitzen. Diese Reise hat mich sehr bewegt und in mir das „Reisefieber“ entfacht. Seit dieser Reise wollte ich mehr tun und half jeweils in meinen Sommerferien für ca. 4 Wochen in verschiedenen Projekten in verschiedenen Ländern mit: 2012 war ich für vier Wochen in einem Massai-Dorf in Kenia und habe dort unterrichtet und die Lehrer fortgebildet, 2013 war ich in Indien, Kalkutta, in einer Slumschule und habe dort geholfen, 2014 war ich in Ruanda in einer Schule für Behinderte.
In all diesen Projekten gab es viel Spannendes zu erleben und lernen und in mir reifte der Gedanke so etwas vielleicht für länger zu machen oder sogar ein eigenes Projekt zu starten.
Doch diesen grossen Schritt traute ich mir nicht zu und ich wusste auch nicht, wo und was ein „sinnvolles Projekt“ überhaupt wäre. Wie könnte ich möglichst vielen Helfen und etwas Sinnvolles tun? Wie startet man so etwas? Also entschloss ich mich ein Projekt zu suchen, wo ich ein ganzes Jahr verbringen könnte und somit Zeit zu haben, ein Projekt genauer kennen zu lernen und herauszufinden, ob es wirklich etwas für mich ist. Denn jeweils nur vier Wochen in einem Projekt zu sein ist sehr kurz und man kennt alles nur sehr oberflächlich kennen.
So nahm ich ein Jahr unbezahlt Urlaub, suchte nach einem Projekt und landete schließlich in Tansania in einem Kinderheim für behinderte Kinder. Das Kinderheim wird von einem kleinen deutschen Verein geführt und wurde kurz nach meiner Ankunft ganz neu eröffnet. Ich war für ein Jahr der In-Charge und leitete es.
In dieser Zeit konnte ich unglaublich viel lernen und viele Erfahrungen machen. Leider war es nicht nur positiv, so wurden wir viermal in der Nacht überfallen und ich wurde ausgeraubt und zusammengeschlagen. Auch sonst war die Zeit nicht immer leicht und nach diesem Jahr war der Gedanke/Traum von einem eigenen Projekt ausgeträumt und ich konnte es mir definitiv nicht vorstellen, etwas Eigenes zu starten.

Wie kam es dann trotz dieser negativen Erfahrungen dazu, dass du trotzdem das Projekt gestartet hast?
Im Kinderheim ist mir ein Mädchen, Neema, sehr ans Herz gewachsen. Ich vermisste sie, zurück im Alltag, sehr und wollte sie gerne bei mir haben und versuchte sie zu adoptieren. Leider ist das nicht so einfach möglich und ich musste auch diesen Plan erstmal wieder aufgeben.
Im Februar 2018 hatte ich während einer Konferenz von der Kirchengemeinde das Gefühl von Gott den Auftrag zu bekommen, doch ein Projekt zu starten. Die Idee, ein ganz kleines Projekt zu starten, sehr übersichtlich mit nur 6-8Kindern und somit wenig Personal und Leitungsaufwand, gefiel mir und das traute ich mir auf einmal auch zu.

Warum baust du ein Heim für Behinderte Kinder?

Dass ich ein Heim für behinderte Kinder eröffne hat mehrere Gründe. Zum einen sind behinderte Kinder das schwächste Glied. In Tansania ist der Aberglaube noch weit verbreitet. So gelten Familien, die ein behindertes Kind haben, als verflucht. Oft werden sie aus der Familie oder aus dem Dorf ausgeschlossen. Um das zu vermeiden, setzen viele Familien ein behindertes Kind aus oder sie verstecken es vor der Öffentlichkeit (es gibt immer wieder erschreckende Geschichten, dass Kinder im Hühnerstall oder in einem Loch im Boden mit Gitter drüber gehalten werden oder, wenn sie „Glück haben“ werden sie in einem Zimmer versteckt, sehen nie das Tageslicht und kommen nie raus).
Ein weiteres Grund, warum behinderte Kinder ausgesetzt werden, ist, dass die Armut sehr groß ist und alle Familienmitglieder (beide Elternteile, oft auch schon die Kinder) zum Lebensunterhalt beitragen müssen. Nur so können sie überleben. Ist nun ein behindertes Kind in der Familie braucht es jemand, der sich um das Kind kümmert, es pflegt, füttert usw. Das bedeutet jedoch wieder, dass es zwei Familienmitglieder gibt (das behinderte Kind und jemand, der sich um das Kind kümmert/die Mutter), die nicht zum Lebensunterhalt beitragen können und somit rutscht die Familie noch mehr in Armut.
Ausgesetzte behinderte Kinder werden meist erst ins Krankenhaus gebracht (aufgrund ihres schlechten Gesundheitszustandes). Dort versucht man sie an ein Kinderheim zu vermitteln. Jedoch hat es in Tansania kaum Heime für behinderte Menschen. Und „normale“ Kinderheime wollen oft keine behinderten Kinder aufnehmen. Und wenn sie in so einem Kinderheim aufgenommen werden, dann gehen sie unter. Oft ist eine Betreuerin für bis zu 50Kinder zuständig, die Kinder leben alle in einem Raum. Das Essen wird oft einfach jedem Kind ans Bett gestellt, wer nicht schafft selbst zu essen und sich selbst zu versorgen, stirbt irgendwann…
Deshalb ist der Bedarf für behinderte Kinder sicher am größten.
Außerdem sind mein Beruf und das damit verbundene Fachwissen ein wichtiger Grund. Ich kann mein Wissen dort unten weitergeben, vorleben, wie man mit behinderten Kindern umgeht und versuchen die Kinder bestmöglich zu fördern.

Welche Herausforderungen hatten Sie bei der Gründung des Kinderheimes?  
Herausforderungen gibt es sehr viele, noch jetzt fast täglich. Nach der Idee, wirklich zu starten und ein Kinderheim zu gründen, musste erst einmal ganz viele Hürden überwunden werden. Ich als Ausländer habe in Tansania ohne die Hilfe von Einheimischen, keine Chance. Also musste ich erst einmal einheimische Personen finden, die bereit sind, so ein Projekt mit mir zu starten. Gute Leute zu finden, denen man nur halbwegs vertrauen kann und die es ernst meinen und nicht nur auf dein Geld abgesehen haben, ist in Afrika sehr schwer.
Nachdem ich Leute gefunden hatte mussten wir ein Grundstück finden. Auch das gestaltete sich schwer, denn immer, wenn ich aufgetaucht bin und sie mich als Weisse gesehen haben, wurden die Grundstückspreise auf einmal mindestens doppelt so hoch. Selbst, wenn ich bei den offiziellen Besichtigungsterminen nicht dabei war, sondern mir die Grundstücke erst später alleine anschaute, irgendein Nachbar verpfiff mich immer und wir konnten viele Grundstücke aus diesem Grund nicht bekommen.
Um in Afrika offiziell arbeiten zu können, mussten wir eine NGO (Nichtregierungsorganisation) gründen. Dort darf ich als Ausländer offiziell auch kein Mitglied sein und die Lizenz dafür zu bekommen gestaltete sich auch sehr schwer. Die Bürokratie, die Korruption und der andere Lebensstil haben mich manches Mal fast verzweifeln lassen.
Als wir ein Grundstück und die NGO Lizenz hatten, ging es mit dem Bau los. In Tansania bauen fast alle einfach so, ohne Baugenehmigung. Die Gefahr, dass aber doch jemand vom Amt kommt und es Probleme gibt, gerade wenn sie sehen, dass eine „Weiße“ dort ist, ist sehr groß und deshalb mussten wir eine offizielle Baugenehmigung einholen. Auch das gestaltete sich als sehr schwer. Als wir dann endlich eine Baugenehmigung hatten, konnten wir mit dem Bau beginnen, doch es hat dort keinen Architekten oder Bauleiter/Firmen, die Häuser bauen, sondern man muss sich jeden Bauarbeiter suchen, mit ihm den Preis verhandeln und täglich überwachen, dass er arbeitet und auch noch aufpassen, dass er halbwegs exakt arbeitet.
Da ich selbst noch in der Schweiz weiter voll arbeite und nur in den Ferien in Tansania bin, ist der Spagat zwischen beiden Aufgaben sehr schwer. Täglich muss jemand vor Ort auf die Baustelle und mir Bilder schicken. Ich versuche von hier aus zu überprüfen, verhandeln und zu korrigieren. Das ist nicht immer leicht und vieles läuft schief. Die Kultur, Arbeitsweise und das Denken ist in Tansania einfach sehr anders als in Europa… Pünktlichkeit, Sauberkeit, Ordentlichkeit, Genauigkeit – um nur einige Oberbegriffe zu nennen – werden dort ganz anders ausgelegt.
Einige Beispiele: „Komm ich nicht heute, komme ich morgen vielleicht – oder auch nicht“, „Treffen auf 10Uhr ausgemacht, die ersten erscheinen um 15Uhr, der Rest erst ein Tag später“ „messen nur nach Augenmaß“ „das Material/Geld ist ja nicht mein eigenes, also kann ich verschwenderisch mit umgehen“ „Weiße Hautfarbe = sehr reich/Millionär“

Was sind deine langfristigen Pläne / Visionen für dein Projekt?
Auf Dauer ist mein Ziel, dass ich Familien über Behinderung aufklären und ihnen Tipps und Rat geben kann, wie man ein behindertes Kind fördert. Ich möchte ihnen zeigen, dass jedes Kind Fortschritte erzielen kann und in der Lage ist zu lernen und es sich lohnt, den Kindern Liebe, Zuwendung und Förderung zu bieten. Es soll eine Art Beratungs- und Förderstelle für Behinderte entstehen. Als Weiße einfach in ein fremdes Land zu kommen und Ratschläge zu geben ist jedoch sehr schwer und wird meist nicht angenommen. Deshalb will ich das Heim als Beispiel und als Anlaufstelle haben. So können Familien und Interessierte vorbeikommen, sie sehen, wie wir mit den Kindern im Kinderheim umgehen, wie wir sie fördern und was für Fortschritte sie durch Förderung erzielen. Und mit diesem Beispiel können wir dann auf niederschwellige Art und Weise anderen Betroffenen weiterhelfen.

Schulen für schwer Behinderte gibt es keine. Es gibt ein paar wenige Schulen für leicht behinderte im Land. Die sind aber sehr teuer (können sich nur sehr reiche Familien leisten) und es ist Bedingung, dass die Kinder sich selbst fortbewegen können, sich selbst waschen usw. und selbst essen.
Das wiederum bedeutet, dass kaum ein behindertes Kind in die Schule geht und die Eltern auch sonst keine Unterstützung bekommen. Sie sind also 24h am Tag auf sich alleine gestellt. Das ist sehr anstrengend.

Claudia Bachmann-Huder, Vorstandsmitglied Verein Hope & Wonder

Wer bin ich?

Ich bin verheiratet, Familienfrau und Mutter, aktive Samariterin und wohne in Hombrechtikon.

Warum bin ich Aktivmitglied?
Als Mitgründerin, Vorstandsmitglied und Ansprechperson von Hope and Wonder Schweiz, ist es mir ein großes Anliegen, Angela Zimmermann in Tansania in jeder Hinsicht zu Unterstützen. Schon immer lagen mir benachteiligte Kinder, besonders am Herzen. Mit unserem Kinderheim geht auch für mich ein Herzenswunsch in Erfüllung.

Ausblick
Ich freue mich, sobald als möglich, Angela in unserem Kinderheim zu besuchen, das Haus und die Kinder sowie Mitarbeiter kennen zu lernen.

Ich hoffe, mit unserer Arbeit und Spenden, vielen benachteiligten Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.